Zum „Tulpenfeld“ gehören ein Hochhaus mit 18 Stockwerken, ein Hotel, drei freistehende „Atriumhäuser“ und zwei weitere Bürobauten, 2018.
Die Bundeskunsthalle und das Kunstmuseum Bonn liegen seit Anfang der 1990er Jahren den Bürobauten am Tulpenfeld gegenüber, 1999.

Bürobauten Tulpenfeld

Seit 1967

In den Gebäuden am Tulpenfeld befinden sich ab 1967 Bundesministerien, Abgeordnetenbüros und die Bundespressekonferenz. Heute arbeiten dort unter anderem die Mitarbeiter der Bundesnetzagentur.

Unter den Vorzeichen des Hauptstadtprovisoriums entwickelt sich in den Nachkriegsjahrzehnten, wie Der Spiegel es formuliert, ein „Dreißigjähriger Krieg um die Bonner Stadtplanung und die Regierungsbauten“: Der Platzbedarf von Parlament und Regierung wächst, aber für den Bund gilt seit 1956 ein Baustopp, der erst in den sechziger Jahren allmählich aufgeweicht wird.
An der Straße, die als Hauptverkehrsader Bonn mit Bad Godesberg verbindet, wachsen in diesen Jahren zwei Neubauten von privaten Bauherren empor: das weiße „Bonn-Center“ an der Reuterbrücke, das 1968 als Pendant zum West-Berliner „Europa-Center“ gedacht ist, und der Bürokomplex „Tulpenfeld“, den die Versicherungsgesellschaft Allianz finanziert.

Beide versprechen Bonn einen Hauch Modernität. Und beide helfen dem Bund in seiner Raumnot: Sie bieten Büroflächen zur Miete an, so wie es in Bonn mit seinen weit verstreuten Ministerien, Abteilungen und Einrichtungen üblich ist.

Zugangsweg zum Bonner Tulpenfeld aus Richtung der Heussallee mit Blick auf die typischen Atriumbauten und das 18-stöckige Hochhaus, zu beiden Seiten Büsche und Bäume, rechts eine auffällige Straßenlaterne.
Zum Tulpenfeld geht ein Weg von der Heussallee ab, der andere kommt von der Ecke Winston-Churchill-Straße/Heinrich-Brüning-Straße, 2018.

Das gilt insbesondere für die „Allianz-Bauten“, die zwischen 1964 und 1967 auf dem ehemaligen Gelände einer Großgärtnerei, dem „Tulpenfeld“, errichtet werden.

Der Architekt Hanns Dustmann (1902-1972) war in den NS-Jahren „Reichsarchitekt der Hitler-Jugend“ und SS-Mitglied. Nun ist das frühere Mitglied von Speers „Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte“ bei Banken und Versicherungen gefragt.

Außenansicht der Atriumbauten am Bonner Tulpenfeld bei blauem Himmel, längliche Flachbauten mit langen Fensterreihen und Jalousien, umgeben von Bäumen.
Die "Atriumhäuser" am Tulpenfeld tragen ihren Namen wegen der Innenhöfe, 2018.

Die Eckdaten seines Entwurfes: 41.450 Quadratmeter Grundfläche, ein Hochhaus mit 18 Stockwerken, ein Hotel, drei freistehende „Atriumhäuser“, dazu drei weitere Bürobauten und reichlich Platz für einen Springbrunnen zwischendrin.

Bürofenster mit Jalousien, davor eine Straßenlaterne mit zahlreichen runden Glasleuchten.
Die auffälligen Straßenlaternen verteilen sich über das ganze Bürogelände, 2018.

Diese Pläne helfen nicht zuletzt dabei, die Republik an Überlegungen für ein neues Regierungsviertel zu gewöhnen. Sie treiben auch den Bau des „Langen Eugen“ voran.

Das Tulpenfeld ist nicht nur ein willkommenes Mietobjekt etwa für das Ministerium für innerdeutsche Beziehungen, das bis 1973 die zweite bis sechste Etage des Hochhauses belegt, sondern auch für Abgeordnete und Journalisten, die ins sechsstöckige „Pressehaus“ einziehen.

In einem der nördlichen Atriumsbauten befindet sich die schwedische Botschaft, deren Diplomat Sven Backlund über Bonn rückblickend den Satz formuliert: „Eigentlich ist die ganze Bundeshauptstadt ein Gesprächskreis“.

1969 entsteht am Tulpenfeld auch ein Hotel, in dem unmittelbar nach dem „Vier-Mächte-Abkommen über Berlin“ 1971 die erste Ost-Berliner Delegation zu deutsch-deutschen Gesprächen eintrifft: Die Hotelzimmer sind zum Teil in Sitzungsräume, einen Speisesaal und ein Sekretariat mit direkter Telefon- und Fernschreibverbindung nach Ostberlin umfunktioniert worden. Dort treffen sich die Vertragspartner aus beiden Teilen Deutschlands dutzende Mal. Die Entspannungspolitik Willy Brandts und Egon Bahrs beginnt Früchte zu tragen. 

Nach der Bundestagswahl 1983 wiederum zieht in die „Allianz-Bauten“ die trubelige Fraktion der Grünen ein. 
Und auch die Bundespressekonferenz hat am Tulpenfeld von 1967 bis 1999 ihren Sitz – vor einer Holzwand aus Palisander.

Seit dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin ist im Hochhaus des Tulpenfeld-Komplexes unter anderem die „Bundesnetzagentur“ untergebracht.

Wussten Sie schon ...

… dass das Fußballteam der Grünen bis heute nach dem Fraktionssitz am Tulpenfeld benannt ist? Die 1983 gegründete Mannschaft trägt den Namen „Grüne Tulpe“.