Von 1949 bis 2000 finden im Bundeshaus auf dem heutigen UN Campus in Bonn die Sitzungen des Deutschen Bundestags und des Bundesrats statt, 2018.
Mitglieder des Parlamentarischen Rats befinden sich am 23. Mai 1949 auf dem Weg ins Bundeshaus. Konrad Adenauer wird dort in der Abschlusssitzung das Grundgesetz verkünden.

Bundeshaus

1949–1999

Das Bundeshaus in Bonn ist von 1949 bis 1999 Zentrum der parlamentarisch-demokratischen Willensbildung in der Bundesrepublik. Hier arbeiten und debattieren zunächst die Mitglieder von Parlamentarischem Rat, später von Bundestag und Bundesrat.

Im ehemaligen Bundesrat zeigt die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Ausstellung "Unser Grundgesetz".

Zur Ausstellung

Das Haus am Rhein, in dem sich der Deutsche Bundestag am 7. September 1949 konstituiert, ist für einen Neuanfang wie gemacht. Gerade Kanten, weiße Flächen – die Formensprache, die Martin Witte der 1930 bis 1933 gebauten Pädagogischen Akademie am Rheinufer verlieh, ist nüchtern und sachlich. Sie hat nichts von der Monumentalität der nationalsozialistischen Architektur, zählt sogar zu einem Stil, den die Nationalsozialisten ablehnten.

Luftaufnahme, weißer, kastenförmiger Gebäudekomplex, vierstöckig, Deutschland-Fahne am Eingang. Hinter dem Gebäude ist der Rhein zu sehen.
Das Bundeshaus liegt in unmittelbarer Nähe des Bonner Rheinufers, 2018.

Und auch der Architekt Hans Schwippert, der das Gebäude 1949 in Rekordzeit zu einem „Bundeshaus“ erweitert, ist diesem Stil verpflichtet. Er lässt Bürotrakte errichten für Abgeordnete des Bundestags und für den Bundesrat, der seine Sitzungen in der früheren Aula der Akademie abhält. Schwippert baut ein Restaurant, das zum Rhein hin komplett verglast ist. An die Turnhalle der Akademie, die er zu einer „Wandelhalle“ umbaut, setzt er einen Plenarsaal mit großen Glasflächen. „Ich habe gewünscht, dass das deutsche Land der parlamentarischen Arbeit zuschaut [...]. Ich wollte ein Haus der Offenheit, eine Architektur der Begegnung und des Gesprächs.“

Schwippert vertritt Ideen des Neuen Bauens. Manche von ihnen kommen nicht durch. Der Architekt kann sich nicht mit dem Vorschlag durchsetzen, die Sitze im Plenarsaal kreisrund anzuordnen und auf ein Rednerpult zu verzichten. Die lichten Fensterwände sehen durch seitliche Tribünen für Presse und Diplomaten, die beim ersten Umbau des Gebäudes 1953 eingezogen werden, und durch neue Wandelgänge anders aus als zunächst geplant.

Alterspräsident Paul Löbe (SPD) hält die Eröffnungsrede auf der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestags am 7. September 1949.

Trotzdem ist mit der betont sachlichen Architektur des Bundeshauses ein Zeichen gesetzt. Bis hin zur Einrichtung versucht Schwippert „eine falsche und aufwendige Repräsentation“ zu vermeiden. Zur Kunst am Gebäude zählt der 1953 gestaltete Bundesadler von Ludwig Gies, dessen Werke den Nationalsozialisten als entartete Kunst galten: ein rundlich-fülliger, gezähmt wirkender Vogel, der im Volksmund „fette Henne“ genannt wird. Am Eingang des Abgeordnetenhauses, mit dem das Bundeshaus 1951 nach Süden erweitert wird, ist das Steinrelief „Aufsteigender Phoenix“ von Odo Tattenpach zu sehen – Deutschland als mythischer Vogel, der verbrennt und doch verjüngt aus seiner Asche aufsteht. An der Fahnenstange hinter dem Rednerpult im Plenarsaal hängt das Schwarz-Rot-Gold des Hambacher Festes von 1832, das auch der Frankfurter Nationalversammlung 1848 und den Demokraten der „Weimarer Republik“ als Nationalsymbol gegolten hat.

Schwarzweiß-Fotografie, vollbesetzter Sitzungssaal, mittig das Rednerpult, großer Bundesadler an der Wand, Deutschlandfahne links.
Konrad Adenauer spricht bei seiner Regierungserklärung am 20. Oktober 1953.

Bis 1986 ist dieser Saal der zentrale Ort der parlamentarisch-demokratischen Willensbildung in Deutschland. Hier finden große Debatten statt – wie jene zur Wiederbewaffnung 1952, zur Verjährung von NS-Verbrechen 1965 oder 1972 zur Entspannungspolitik Willy Brandts. Hier reden sich Männer wie Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß in Rage, sorgt Waltraud Schoppe 1983 mit einer Rede über den „alltäglichen Sexismus“  für Furor, hier spricht 1985 Bundespräsident Richard von Weizsäcker historische Worte zum vierzigsten Jahrestag des Kriegsendes. Dann ziehen die Parlamentarier in ein Ausweichquartier. Ein neuer Plenarsaal an selbiger Stelle soll her. 1988 begonnen, wird er 1992 eingeweiht und nach dem Umzug des Parlaments nach Berlin 1999 Teil des neuen Kongresszentrums: World Conference Center Bonn.

Die Stühle aus dem alten Bundestag, der dem Schriftsteller Wolfgang Koeppen einst wie „ein großes Klassenzimmer mit aufgeräumten Schülerpulten“ erschien, sind heute Teil der Dauerausstellung im Haus der Geschichte. Man kann sie sogar ausprobieren und über den nächsten Redebeitrag im Parlament abstimmen.

Wussten Sie schon ...

… dass der Gipsadler, den Ludwig Gies 1953 für den Bundestag schuf, heute zur Sammlung des Hauses der Geschichte gehört? Die „Fette Henne“ wird beim Abriss des alten Plenarsaals 1987 in Kisten verpackt. Im Übergangquartier hängt eine Version aus Holz, im neuen Plenarsaal 1992 ein Aluminium-Adler.