Das Schulze-Delitzsch-Haus ist heute Sitz des „Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken“, 2019.

Presseverbindungsbüro der Hohen Behörde der Montanunion

Vorläufer der Europäischen Kommission
1954–1958

In das „Schulze-Delitzsch-Haus“ in der Gronau zieht als Mieter 1954 das erste Büro der „Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ ein und damit die erste Vertretung einer europäischen Institution.

Seit dem Frühjahr 1949 wird die Stahlproduktion im Ruhrgebiet von einer „Internationalen Ruhrbehörde“ kontrolliert. Sie soll das wirtschaftlich wiedererstarkende Deutschland im Zaum halten – aber kurz nachdem auch die Bundesrepublik dieser Behörde im November beitritt, sind ihre Tage gezählt. Denn im Mai 1950 schlägt der französische Außenminister Robert Schuman vor, „die Gesamtheit der französisch-deutschen Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Hohen Behörde zu unterstellen, einer Organisation, die den anderen europäischen Ländern zum Beitritt offen steht.“

Schwarzweiß-Fotografie eines weißen, flachen Gebäudes mit langen Fensterreihen, davor eine Straße, am rechten Bildrand ein Baum.
Mitte der 1950er-Jahre halten die Mitarbeiter im Presseverbindungsbüro der Hohen Behörde der Montanunion die Mitgliedsstaaten der "Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl" über das Geschehen in Bonn auf dem Laufenden.

Die Bundesrepublik unterstützt die Idee. Aus ihr entsteht die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“, oft auch Montanunion genannt, eine Vorläuferorganisation der „Europäischen Gemeinschaft“. Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien, Luxemburg und die Niederlande unterzeichnen am 18. April 1951 einen entsprechenden Vertrag in Paris. Damit ist auch das Ende der Ruhrbehörde verbunden.

Im Frühjahr 1954 eröffnet die „Hohe Behörde der Montanunion“, ein Vorläufer also der heutigen Europäischen Kommission, an der heutigen Heussallee ihr erstes Verbindungsbüro. Es ist das erste Büro dieser Art in einem der Mitgliedsländer. Geleitet wird es vom deutschen Journalisten Karl Mühlenbach, dem zwei Zimmer zur Verfügung stehen. Er soll Kontakte zu deutschen Medien pflegen und die Union über das Geschehen in Bonn auf dem Laufenden halten.

Der „Deutsche Genossenschaftsverband“, ein Vorläufer des heute noch im Gebäude ansässigen „Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken“, und der „Zentralverband des genossenschaftlichen Groß- und Außenhandels“ sind mit im Haus. Sie ließen das Haus nach Plänen des Bonner Architekten Wilhelm Denninger bauen und benannten es nach einem Gründervater der Genossenschaftsbewegung. Auch die „Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gewerblicher Genossenschaften“ hatte hier ihr Büro.

Das Verbindungsbüro zieht 1958 in die Zitelmannstraße, wo es auch die 1957 gegründete Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft Euratom vertritt. Seit dem Umzug der Regierung nach Berlin befindet sich am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn eine Regionalvertretung der Europäischen Kommission.