Die Stadthalle Bad Godesberg kann für Tagungen und Veranstaltungen gebucht werden, 2009.
Die Stadthalle Bad Godesberg wird von den Architekten Wilhelm und Dirk Denninger entworfen.

Stadthalle Bad Godesberg

„Godesberger Programm“ der SPD
1959

In der Stadthalle von Bad Godesberg beschließt ein Sonderparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands am 15. November 1959 das neue Grundsatzprogramm, mit dem die SPD zur Volkspartei wird. Das „Godesberger Programm“ hat bis 1989 Bestand.

Der Einzug des Politbetriebes in Bonn wirkt sich auch auf das Städtchen Bad Godesberg aus, das bis 1969 selbständig ist. Es ist vom Krieg unzerstört und wird dank seiner prächtigen Villen und Hotels zur Heimat vieler Botschaften und Diplomaten. Auch zahlreiche Bundesbedienstete wohnen hier.

Schwarzweiß-Fotografie eines Pavillon-ähnlichen Teils der Stadthalle mit Gartenstühlen und Rasen davor.
Die Stadthalle Bad Godesberg wird 1955 eingeweiht.

Abends zieht die Bonner Hauptstadtgesellschaft ins Godesberger Stadttheater, das bei seiner Eröffnung 1952 der erste Theaterneubau der Bundesrepublik ist. Oder man trifft sich im Weinhaus von Ria Maternus, plaudert im „Schaumburger Hof“ unten am Rhein. In der „Redoute“, einem Ballhaus aus dem Jahr 1790, trifft sich der „Internationale Club Bad Godesberg e.V.“, dessen erster Präsident 1953 Frankreichs Hoher Kommissar André François-Poncet ist.

„Das Schönste an Bonn ist Bad Godesberg“, schreibt der Journalist Walter Henkels, wenn auch leicht ironisch im Ton. In der 1955 gebauten Stadthalle im Kurpark, entworfen von Wilhelm und Dirk Denninger, finden Veranstaltungen wie eine Tagung der NATO-Außenminister im Mai 1957 statt.

In die Geschichte der Bundesrepublik geht Godesberg besonders mit einer sozialdemokratischen Veranstaltung ein: Vom 13. bis 15. November 1959 tagt in der Stadthalle ein außerordentlicher Parteitag der SPD. Über 300 Delegierte reisen an, um ein neues Grundsatzprogramm zu diskutieren – das erste seit 1925.

Mit dem „Godesberger Programm“, das die SPD am Ende mit 324 gegen 16  Stimmen beschließt, rückt die Partei von linken Positionen ab. Es bedeutet den Abschied von Marx, die Hinwendung zur Sozialen Marktwirtschaft, die Akzeptanz der Landesverteidigung und macht die Sozialdemokraten auch für eine breitere Wählerschicht wählbar. Auf diesem Wege schafft das „Godesberger Programm“ die Grundlagen für die „Volkspartei“ SPD.