Konrad Adenauer wohnt auch während seiner Kanzlerzeit in Rhöndorf, etwa 20 Autominuten vom Bonner Regierungsviertel entfernt.
Familie Adenauer zieht 1937 in das neugebaute Haus ein, die Aufnahme stammt aus den 1940er-Jahren.

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus

Wohnhaus Konrad Adenauers in Rhöndorf
1937–1967

In Rhöndorf, wo Konrad Adenauer von 1937 bis zu seinem Tod 1967 lebt, erinnert die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus an das Leben und Wirken des Staatsmannes. Im August 1949 ist das Gebäude Ort der „Rhöndorfer Konferenz“, die Adenauers Wahl zum Bundeskanzler vorbereitet.

Der Besuch des Wohnhauses ist im Rahmen einer Führung möglich.

Zum Adenauerhaus

In einem malerisch gelegenen Einfamilienhaus unterhalb der Drachenfeld-Ruine kommen am 21. August 1949 mehr als zwanzig Persönlichkeiten von CDU und CSU zu einem informellen Treffen zusammen. Anlass ist das Ergebnis der ersten Bundestagswahl eine Woche zuvor: Die „Unionsparteien“ können die Regierung stellen – entweder in einer „großen Koalition“ mit den Sozialdemokraten oder gemeinsam mit der liberalen FDP, was aber eine Minderheitsregierung bedeuten würde. Letzteres ist der Vorschlag des Gastgebers Konrad Adenauer. Eine Regierungsmehrheit ließe sich durch Hinzuziehung der rechtskonservativen Deutschen Partei gewinnen. Bei der „Rhöndorfer Konferenz“ bereitet der Hausherr durchsetzungsstark seine Pläne vor.

„Ständig greift er selbst in die Diskussion ein“, schreibt sein Biograf Hans-Peter Schwarz, „sein Plädoyer erinnert immer noch an die Künste des einstigen Kölner Rechtsanwalts – es strömt wie ein Landregen, der sanft und stetig alle gegnerischen Argumente aufweicht, auf die Anwesenden herunter und bröselt den Widerstand auf.“ Zum Verhältnis von Bundeskanzler und Bundespräsident sagt Adenauer: „Die wichtigste Persönlichkeit ist der Bundeskanzler. Präsident soll ein anderer werden, ich will Kanzler werden. Ich bin 73 Jahre. Aber ich würde das Amt des Kanzlers annehmen [...]“. Als Bundespräsidenten bringt er den Liberalen Theodor Heuss ins Gespräch.

Wohnzimmer mit dunklen Holzmöbeln, Perserteppich, Gemälden im Goldrahmen und einer Holzstatue der Madonna mit Kind.
Die "Rhöndorfer Konferenz" findet 1949 im Esszimmer und im Wohnzimmer der Familie Adenauer statt. Die Einrichtung des Hauses ist weitgehend erhalten.
Vitrine mit Kaffeeteller und Kaffeetasse, einer Gästeliste und einer Schwarz-Weiß-Aufnahme des Wohnhauses im Hintergrund.
Bei den Gesprächen verwenden die Teilnehmer der "Rhöndorfer Konferenz" dieses Geschirr, das heute im Wohnhaus ausgestellt ist.

Drei Wochen später, am 15. September 1949, wählt der Deutsche Bundestag Konrad Adenauer mit einer Stimme Mehrheit zum Bundeskanzler. In seinem Kabinett sitzen Vertreter von CDU, CSU, FDP und Deutscher Partei. Der Bundespräsident heißt Theodor Heuss.

Es ist Adenauers zweite Karriere: Von 1917 bis zu seiner Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten 1933 war er Oberbürgermeister von Köln. Damals flieht er für ein knappes Jahr ins Kloster von Maria Laach, um anschließend nach Potsdam zu ziehen – und kurzzeitig verhaftet zu werden.

Im Frühjahr 1935 findet Adenauer im rechtsrheinischen Rhöndorf eine Bleibe. Er wohnt mit seiner Familie in der Löwenburger Straße zur Miete. Allerdings muss er Frau und Kinder nach der Ausweisung aus dem Regierungsbezirk Köln im Sommer 1935 wieder verlassen.
Abermals kommt er in Maria Laach unter und in einem Priester-Erholungsheim in Unkel. Im April 1936 kehrt er zu seiner Familie nach Rhöndorf zurück. Kurz vor Weihnachten 1937 bezieht man einen Neubau am damaligen Zenningsweg 8 – es ist das Haus, in dem Adenauer auch als Bundeskanzler lebt und 1967 stirbt.

Zimmer mit Sitzgruppe aus Sofa und Sesseln und großem Panoramafenster.
Das Wohnzimmer mit Panoramafenster zum Rheintal ist ein "Schauplatz" der Rhöndorfer Konferenz 1949.

Aber vorerst sind die Zeiten dramatisch: Im August 1944 lässt das NS-Regime Adenauer verhaften. Er wird ins Kölner Messelager gebracht, kann entkommen, versteckt sich im Westerwald, wird wieder verhaftet und bis November im Gefängnis Brauweiler festgehalten.

Zurück in Rhöndorf, beobachtet Adenauer im März 1945 die Ankunft der Amerikaner: „In meinen Garten fielen zwölf amerikanische Granaten, drei von ihnen trafen mein Haus an der Vorderseite und richteten erhebliche Zerstörungen an, während die Rückseite des Hauses deutsches Granatfeuer vom rechten Rheinufer her erhielt.“

Die Familie sucht gemeinsam mit drei entflohenen französischen Kriegsgefangenen tagelang Schutz im Keller hinter dem Haus. Kurz danach bringen die Amerikaner Adenauer im offenen Jeep über Bonn, den Geburtsort seines Vaters, ins furchtbar zerstörte Köln. Er soll wieder Oberbürgermeister von Köln werden, was allerdings nach wenigen Wochen scheitert.
Erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ist Adenauer umso länger: von 1949 bis 1963.

Über sein Haus in Rhöndorf, in dem Adenauer 1967 im Alter von 91 Jahren stirbt, sagt die Historikerin Corinna Franz, Geschäftsführerin der Gedenkstätte: „Hier wurde die Politik gedacht und in Bonn gemacht.“ 

Wussten Sie schon ...

... dass Konrad Adenauer, der „Alte von Rhöndorf“, einst der jüngste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt war? Die Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1917 gehört heute zu den Ausstellungsobjekten im „Bundeskanzler-Adenauer-Haus“ in Rhöndorf.