Schloss Deichmannsaue in Mehlem hat sich seit den 1950er-Jahren von außen kaum verändert, 2013.
Das Schloss wird 1951 um einen großen Gebäudekomplex ergänzt, 2019.
In diesem Gebäudeteil verkündet die Alliierte Hohe Kommission 1955 die Aufhebung des Besatzunsstatuts für die Bundesrepublik, 2019.

Deichmannsaue

US-Hochkommission und US-amerikanische Botschaft
1950–2000

Schloss Deichmannsaue und das angrenzende, 1951 neu entstandene Areal sind von 1950 bis 1955 Dienstsitz des US-amerikanischen Hochkommissars und anschließend Ort der US-amerikanischen Botschaft. Der Komplex wird heute von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung genutzt.

Ein kleines Schloss in Mehlem wird nach Gründung der Bundesrepublik 1949 zum Dienstsitz des US-Hochkommissars. Einst gehört es der Kölner Bankiersfamilie Deichmann, die in der Au seit 1836 ihren Sommersitz am Rhein hat und den dortigen Gutshof 1911 umbauen lässt. Nun wird „Schloss Deichmannsaue“ Dienstsitz des Hohen Kommissars John Jay McCloy. Für Mitarbeiter des „High Commissioners of Germany“ (HICOG) entsteht nebenan ein moderner Erweiterungsbau mit 21.000 Quadratmetern Bürofläche.

Für die Familien der HICOG-Angehörigen wächst in Plittersdorf unterdessen eine Siedlung aus dem Boden. „Klein Amerika“ nennt sie der Reiseführer Baedeker 1953. Die Wohnblöcke hätten alle einen elektrischen Herd, Kühlschrank und „heißes Wasser dauernd zur Verfügung“: „Zu der Siedlung gehören ferner eine Ladenstraße, … eine im Pavillonstil angelegte Schule, eine Sporthalle mit Schwimmbad, sowie ein Klubhaus, Restaurant und Kino.“

Das dreistöckige Schloss Deichmannsaue mit Satteldach und Zwiebeltürmchen.
Schloss Deichmannsaue wird zum Ort politischer Entscheidungen über Deutschlands Zukunft, 1949-1955.

Die Tage der HICOG sind jedoch gezählt. Bereits im Mai 1952 verständigen sich alle drei Hohen Kommissare – der amerikanische, der britische und der französische – bei einer zweitägigen Sitzung auf „Schloss Deichmannsaue“ auf die Details eines Vertrags mit der Bundesregierung; auch Konrad Adenauer kommt zu diesem Anlass ins Schloss.

Der „Deutschlandvertrag“, der am 26. Mai 1952 im Saal des Bundesrats unterzeichnet wird, ebnet den Weg zum Ende des Besatzungsstatuts und tritt 1955 auf dem Umweg über die „Pariser Verträge“ in Kraft. In der Folge zieht das Büro der „Alliierten Hohen Kommission“ bereits 1952 vom Petersberg hinunter in Block drei des HICOG-Gebäudes.

Schwarzweiß-Fotografie, Blick auf den gut gefüllten Konferenzraum der ehemaligen US-amerikanischen Botschaft in Bonn
Der Alliierte Hohe Kommissar Frankreichs, André François-Poncet, spricht bei der Feierstunde zur Aufhebung des Besatzungsstatuts am 5. Mai 1955.

Am 5. Mai 1955 kommen die Kommissare in einem Konferenzsaal des Neubaus zu einer Feierstunde zusammen. US-Hochkommissar ist mittlerweile James B. Conant. Gemeinsam mit dem Franzosen André François-Poncet und dem Briten Frederick Hoyer Millar unterzeichnet er die „Proklamation betreffend die Aufhebung des Besatzungsstatuts und die Auflösung der Alliierten Hohen Kommissionen sowie der Länder-Kommissariate.“

The end of the Allied High Commission: The WDR broadcasting institution reported on 5 May 1955 on the events.

James B. Conant, früher Präsident der Elite-Universität Harvard, wird fortan erster Botschafter der Vereinigten Staaten, das Gelände in der Deichmannsaue von 1955 bis 1999 „Embassy of the United States“.

Schwarzweiß-Fotografie, ein Mann tauscht die Beschilderung des US-amerikanischen Hohen Kommissariats gegen eine Infotafel mit dem Aufdruck "Embassy of the United States of America"
Das US-amerikanische Hohe Kommissariat wird nach der Aufhebung des Besatzungsstatuts zur US-Botschaft, 5. Mai 1955.

Die Diplomaten teilen sich ab Sommer 1954 die Räumlichkeiten mit bundesdeutschen Behörden wie vor allem dem Wohnungsbauministerium, das hier ab Mai 1955 seinen Sitz hat. Im Jahr 2000 ziehen die Amerikaner in ihre neue Botschaft nach Berlin. Seitdem beherbergt das ehemalige HICOG-Gelände das „Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung“, seit 2005 auch die vorher in Frankfurt ansässige „Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung“.

Wussten Sie schon ...

… dass sich auch die sowjetische Botschaft am Rheinufer befand, bevor sie auf die Viktorshöhe zog? Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1955 bezog sie zunächst das alte, bei der Insel Nonnenwerth gelegene Hotel „Rolandseck-Groyen“ – recht fern des Politbetriebs.