Heute gehört das Parlamentsgebäude des ehemaligen Deutschen Bundestags zum World Conference Center Bonn, 2015.

Plenarsaal „Deutscher Bundestag“

1992–1999

Von Oktober 1992 bis Juli 1999 tagt der Deutsche Bundestag im neu errichteten Bonner Parlamentsgebäude. Seine großen Glasflächen symbolisieren demokratische Offenheit und Transparenz. Heute gehört das Gebäude zum World Conference Center Bonn.

Die Bonn-Information bietet Führungen durch den Plenarsaal an.

World Conference Center Bonn

Als der Regierungstross 1949 in Bonn einzieht, soll die beschauliche Universitätsstadt am Rhein nicht Deutschlands neue Hauptstadt, sondern ein Hauptstadt-„Provisorium“ anstelle Berlins sein. Doch das „Provisorium“ wird zur Dauereinrichtung. 1969 beschließt der Bundestag, sich im „Provisorium Bonn auf Dauer und den Ansprüchen des Regierungssitzes genügend“ einzurichten.

Schwarzweiß-Fotografie, Blick auf einen gefüllten Plenarsaal mit kreisrunder Sitzanordnung, heller und transparenter Architektur, einem Rednerpult, an der Wand dahinter der Bundesadler
Die erste Bundestagssitzung im neuen Plenarsaal findet am 30. Oktober 1992 statt.

Für die Abgeordneten steht mit dem „Langen Eugen“ bereits ein neues Hochhaus parat, Willy Brandts Kabinett stößt den Neubau des Kanzleramts an. Und bald darauf, 1972, findet auch ein erster Wettbewerb für Parlamentsbauten statt, bei dem das Stuttgarter Büro Behnisch & Partner zu den Siegern gehört. Es dauert nur noch ein wenig, bis ein Gebäude entsteht. Die Demokratie ist ein langsamer und kritischer Bauherr.

Am 12. Oktober 1987 schließlich rücken Bagger dem alten Plenarsaal Hans Schwipperts zu Leibe. Nach vielen Jahren des Planens, haushaltsrechtlicher Abwägungen, neuer Vorgaben und einer öffentlichen Diskussion über den Erhalt des alten Gebäudes soll ein moderner Plenarsaal entstehen – am Platz des alten.

Blick in den großzügigen Eingangsbereich des Bundeshauses, große Glasfronten, heller Bodenbelag, mittig ein gläserner Aufzug, rechts davon eine breite Holztreppe
Das neue Parlamentsgebäude des Architekten Günter Behnisch gilt als herausragendes Beispiel einer gelungenen, offenen Architektur.

Und dann das: Genau jetzt, während der Bauarbeiten, wird das geteilte Deutschland 1990 plötzlich wiedervereinigt und Berlin 1991 zur Hauptstadt erklärt. Das neue Parlamentsgebäude in Bonn ist dadurch bereits bei seiner Einweihung 1992 nur noch ein Plenarsaal auf Abruf. „Welch ein Jammer“, schreibt damals die Wochenzeitung Die Zeit, „dass die Republik erst jetzt ihre architektonische Ausprägung erfährt und die Abgeordneten so spät mit den Wohltaten einer anspruchsvollen Baukunst vertraut werden, da sie demnächst doch in die richtige Hauptstadt umziehen werden.“ 1999 zieht der Bundestag nach Berlin.

Trotzdem lohnt sich ein Blick in den Bau bis heute, da der Plenarsaal Teil des World Conference Centers ist und Großveranstaltungen wie die UN-Klimakonferenz 2017 oder das alljährliche „Global Media Forum“ der Deutschen Welle beherbergt. Dem Architekten Günter Behnisch, der Anfang der 1970er Jahre bereits gemeinsam mit Frei Otto für die einladend offene Zeltdach-Konstruktion des Münchner Olympiastadions verantwortlich ist, gelingt nämlich ein Glanzstück demokratischer Architektur: ein lichtes, gläsernes und transparentes Parlament. Es ist geprägt von Einblicken nach innen, Sicht-Achsen nach außen und jener runden Anordnung der Sitze im Plenum, die Hans Schwippert bei seinem Plenarsaal 1949 noch nicht durchsetzen konnte.

Fast scheint es, als säßen die Volksvertreter im Freien zwischen den Bäumen, dem Himmel und dem geschichtsträchtigsten aller deutschen Flüsse, dem Rhein. Selbst gegen eine gesunde Portion Chaos ist nichts einzuwenden: Die fröhlich ineinander verkeilten Holzlatten an einem Treppengeländer sehen aus wie ein „Vogelnest“.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hält am 1. Juli 1999 eine Rede auf der letzten Bundestagssitzung in Bonn.

An diesem optimistischen, endlich nicht mehr wie ein Hörsaal wirkenden Ort versucht das erste gesamtdeutsche Parlament seit 1992 den „Aufbau Ost“ zu gestalten. Hier diskutieren die Abgeordneten 1993 auch die Verschärfung des Asylrechts, belagert von Demonstranten, 1998 die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro oder den Kampfeinsatz der Bundeswehr im Kosovo, der im März 1999 stattfindet.

Blick auf eine sandsteinfarbene Außenwand mit schwarzem Schriftzug "Deutscher Bundestag"
Im Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn wird bis zum Regierungsumzug nach Berlin Geschichte geschrieben, 2018.

Dann ist es vorbei. „Wir gehen nach Berlin, aber nicht in eine neue Republik“, sagt Helmut Kohl, als der Bundestag am 1. Juli 1999 zum letzten Mal in Bonn tagt. Er setzt im Plenarsaal zu einem Loblied auf den „Genius loci dieser Stadt“ an, der so wichtig für die Stabilität der Bundesrepublik gewesen sei: „Er bildete den idealen Nährboden für eine politische Kultur, die in hohem Maße dazu beigetragen hat, unserem Land Vertrauen, Ansehen und nicht zuletzt Sympathie in der Welt zurückzugewinnen. [...] Es ist ein wahrlich kostbares Erbe, das Bonn an Berlin weitergibt [...].“

Wussten Sie schon ...

… dass bei der letzten Bundestagssitzung in Bonn am 1. Juli 1999 auch die Amtseinführung von Bundespräsident Johannes Rau stattfindet? Die Bundesversammlung hat ihn fünf Wochen vorher gewählt – im umgebauten Berliner Reichstag.