Von der britischen Botschaft ist heute nichts mehr zu sehen. Abrissbagger schaffen 2003 an der Bundesstraße 9 Platz für das "neue Bonn", 1954.

Botschaft des Vereinigten Königreichs

1955–1999

Nichts erinnert mehr an das britische Botschaftsgebäude an der Friedrich-Ebert-Allee. 2003 wird es abgerissen. Es bleibt aber die Erinnerung an den berühmtesten Mitarbeiter: Der Schriftsteller John le Carré setzt mit seinem Roman Eine kleine Stadt in Deutschland der britischen Botschaft in Bonn ein Denkmal.

John le Carré kommt im Jahr des Mauerbaus 1961 als zweiter Botschaftsrat nach Bonn und verfasst hier den Spionage-Roman Der Spion, der aus der Kälte kam, der 1963 zum Bestseller wird. „Ich schrieb in den frühen Morgenstunden, in den Mittagspausen und in jedem freien Moment an meinem Schreibtisch in der Botschaft“ , auch „jeden Tag während der Überfahrt auf der Fähre von Königswinter, wo ich wohnte, nach Bad Godesberg“ .

Fünf Jahre später erzählt der Autor dann im Thriller Eine kleine Stadt in Deutschland von einem Mitarbeiter der britischen Botschaft in Bonn, der in Königswinter wohnt, die SS-Vergangenheit eines deutschen Industriellen aufzudecken versucht und spurlos verschwindet. Dabei kommt mit spitzer Feder auch die Architektur der Botschaft zur Sprache: „Man stelle sich den stillosen Gebäudeblock einer Fabrik vor, der sich nach und nach wuchernd ausgebreitet hat, die Art von Bauwerk, die man zu Dutzenden an Londons Westumfahrung sieht.“

Auffallend schlicht ist die Lage der Botschaft: Die Vertretungen der USA und Frankreichs befinden sich im Kurort Bad Godesberg in bester Rheinlage gegenüber des Siebengebirges. Die britische hingegen befindet sich an einer Verbindungsstraße, die später als „Diplomatenrennbahn“ bezeichnet wird.

Die Erklärung dafür führt ins Jahr 1949: Amerikaner und Franzosen wählen zu diesem Zeitpunkt für ihre Hochkommissariate das repräsentative Hotel Dreesen und das Schloss Deichmannsaue. Auf den Grundstücken daneben entstehen große Bürobauten, die mit der Rückerlangung der deutschen Souveränität zu Botschaften werden.

Das britische Hochkommissariat entscheidet sich 1949 für eine Militärkaserne und den Flugplatz der Royal Air Force in Wahn als Standort. Die Grundstückssuche für die künftige britische Botschaft in Bonn beginnt daher mit Verspätung, als die Bundesrepublik 1952 den Deutschlandvertrag mit den Besatzungsmächten abschließt – und auch in einer anderen Rolle, als es 1949 der Fall gewesen wäre.

Immerhin liegt das 1953 errichtete Gebäude verkehrstechnisch günstig. Residenz des Botschafters wird die „Villa Capell“ in Rüngsdorf. Ende der sechziger Jahre denken die Briten über einen Botschaftsneubau südlich der Villa nach. Das Gelände wird gekauft, aber 1977 ohne Neubau wieder veräußert.