Der Saal der Bundespressekonferenz bekommt wegen seiner Architektur den Beinamen "Aquarium", 2018.
Die Holzwand mit dem quadratischen Muster hinter dem Podium ist genauso ein Markenzeichen des Saals wie die großen Fenster, 2018.
Bundeskanzler Helmut Kohl (r.) und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow geben am 13. Februar 1990 ein Pressestatement ab zu den Verhandlungen zur deutschen Einheit.

Bundespressekonferenz

Ort politischer Pressegespräche
seit 1967

In den Saal der Bundespressekonferenz am Tulpenfeld laden Journalisten Regierungsmitglieder und Politiker ein, damit sie ihnen Rede und Antwort stehen.

Am 15. September 1949 wird Konrad Adenauer mit einer Stimme Mehrheit im Plenarsaal des Bundestags zum ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Am Rande der Veranstaltung im Bundeshaus schlagen einige Journalisten per Aushang die „Gründung einer Bundespressekonferenz“ vor. Eine solche Konferenz, bei der die Parlamentskorrespondenten die Gastgeber sind, nicht die Politiker, hat es auch in den Weimarer Jahren, im Landtag von Hannover 1947 und beim Wirtschaftsrat in Frankfurt gegeben. Daran knüpft man nun an. Ab dem 11. Oktober 1949 existiert ein entsprechender Verein.

Die ersten Gäste, die den versammelten Parlamentskorrespondenten Rede und Antwort stehen, heißen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Die Konferenzen finden zunächst in unterschiedlichen Räumlichkeiten des Bundeshauses statt, das Sekretariat sitzt noch in einer der Pressebaracken.

Eine große Gruppe von Pressevertretern vor der Fensterfront des Saals der Bundespressekonferenz in Bonn, auf mehreren Stuhlreihen, mit zahlreichen Foto- und Videokameras ausgestattet
Vor Fotografen, Kamerateams und Journalisten gibt der SPD-Parteivorsitzende Oskar Lafontaine am 2. März 1998 die Kanzlerkandidatur von Gerhard Schröder bekannt.

Ab Herbst 1967 lädt die „Bundespressekonferenz“ dann Politiker und wichtige Personen des politischen Lebens in einen eigenen, nur für diese Konferenzen genutzten Saal im Tulpenfeld ein.

„Aquarium“ wird er im Viertel genannt: Er ragt im ersten Stock des sechsgeschossigen Gebäudes auf den Vorplatz hinaus, steht auf Stelzen und hat zu beiden Seiten bodentiefe Fenster. Die Architektur ist Ausdruck der Überparteilichkeit und Transparenz, die mit der „Bundespressekonferenz“ in die politischen Vorgänge gebracht werden soll.

Charima Reinhardt ist stellvertretende Regierungssprecherin des Kabinetts von Gerhard Schröder. Auf der letzten Bundespressekonferenz in Bonn vor dem Berlin-Umzug der Regierung spricht sie am 4. August 1999 über das Verhältnis von Regierung und Journalisten.

Auch die Pressekonferenzen der Bundesregierung, die mehrfach pro Woche in diesem Konferenzsaal stattfinden, unterwerfen sich im „Aquarium“ dem Regelwerk der „Bundespressekonferenz“. Die Veranstaltungen werden von einem Journalisten geleitet und über die so genannte „Ringleitung“ in alle Presse- und Ministerialbüros der Hauptstadt übertragen. Laut Satzung finden die Gespräche „unter 1.“, „unter 2.“ oder „unter 3.“ statt – ein Code, der sich auch bei anderen Gesprächen zwischen Journalisten und Politikern in Bonn etabliert: „Die Mitteilungen auf den Pressekonferenzen erfolgen: unter 1. zu beliebiger Verwendung oder unter 2. zur Verwertung ohne Quelle und ohne Nennung des Auskunftsgebenden oder unter 3. vertraulich.“

Seit dem Sommer 1999 setzt die Bundespressekonferenz diese Arbeit in Berlin fort. In Bonn bleibt sie mit einer Außenstelle vertreten.

Wussten Sie schon ...

… dass in den Anfangsjahren auch ausländische Korrespondenten der Bundespressekonferenz angehörten? Im Januar 1951 schlossen sich diese erneut zu dem bereits 1906 gegründeten „Verein der ausländischen Presse“ (VAP) zusammen. Bis heute haben die Korrespondenten des VAP ein Teilnahme- und Fragerecht in den Bundespressekonferenzen.