Benannt ist die Bundesparteizentrale der SPD nach ihrem zweiten Nachkriegsvorsitzenden Erich Ollenhauer, 2018.

Erich-Ollenhauer-Haus

Parteizentrale der SPD
1975–1999

Das 1975 errichtete Erich-Ollenhauer-Haus ist bis 1999 die Parteizentrale der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Die architektonischen Spuren der „Neuen Heimat“, eines Wohnungsbau-Riesen, der dem Gewerkschaftsbund gehört und Anfang der siebziger Jahre fast 300.000 Wohnungen verwaltet, sind nicht immer der Rede wert. Bei dem Gebäude, das die „Neue Heimat Städtebau“ südwestlich des Bonner Regierungsviertels errichtet, ist das jedoch anders: Es beherbergt von 1975 bis 1999 die Parteizentrale der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands – einer Partei, die bei den Bundestagswahlen zwischen 1969 und 1980 mehr als vierzig Prozent der Zweitstimmen bekommt und an diese Hochphase noch 1998 anknüpfen kann. Drei von sieben Bundeskanzlern zu Bonner Zeiten gehören ihr an – Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder.

Schwarzweiß-Fotografie, Willy Brandt (mittig) bei der Grundsteinlegung des Erich-Ollenhauer-Hauses in Bonn, Pressevertreter filmen die symbolischen Hammerschläge Brandts mit dem Grundsteinhammer.
SPD-Vorsitzender Willy Brandt legt bei der Grundsteinlegung der neuen Parteizentrale am 7. Juni 1974 selbst Hand an.

Für die neue Parteizentrale müssen bei Baubeginn 1974 die betont anspruchslosen Vorgängerbauten weichen, die im Volksmund „Baracke“ genannt werden. Der erste SPD-Vorsitzende der Nachkriegszeit, Kurt Schumacher, glaubt 1949 wie viele andere an ein baldiges Ende des Bonner Provisoriums. Also pachtet der Parteivorstand für die Geschäftsstelle das Grundstück im Süden Bonns bloß auf zehn Jahre und mit einer Klausel im Vertrag, das Gelände bei Verlegung der Hauptstadt vorzeitig kündigen zu dürfen. Die flachen Bürogebäude lässt er 1950 in einer leichten Fertigbauweise errichten, um diese „Baracken“ bei einem Umzug wiederverwenden zu können.

Schwarzweiß-Fotografie, Blick auf die SPD-Parteizentrale "Baracke", dem Vorgängerbau des Erich-Ollenhauer-Hauses, Gebäude in schlichter und flacher Fertigbauweise, darüber das SPD-Logo
Unter dem Vorsitzenden Kurt Schumacher erbaut die SPD 1950 in Leichtbauweise ihre Parteizentrale. Als "Baracke" geht der Vorgängerbau des Erich-Ollenhauer-Hauses in die SPD-Geschichte ein, 1973.

Genauso geschieht es, als die mehrfach erweiterten „Baracken“ 1974 verschwinden, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Die alten Gebäude werden demontiert und in einem Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt bei Travemünde, einem Familienerholungsheim in Odenthal und einem Kinder- und Jugendheim in Hützel/Soltau wiederaufgebaut, Restelemente wechseln in einen Reitstall für behinderte Kinder.

An der „Diplomatenrennbahn“ zwischen Bonn und Bad Godesberg wächst unterdessen eine erdfarbene und flache Parteizentrale aus dem Boden, die in Elementen an das zeitgleich entstehende Kanzleramt erinnert. Zum Einzug 1975 schreiben die Architekten Fritz Novotny und Arthur Mähner in einer Broschüre: „Wir wollten der sachlichen, nicht auf äußere Repräsentation gerichteten Haltung der SPD gerecht werden, die gewachsene Atmosphäre der ‚Baracke’ erhalten und auf den Neubau übertragen.“

Der Anspruch findet seinen Ausdruck in „kommunikativen Bereichen“ und der Verteilung der Büros, die dem sozialdemokratischen Selbstverständnis Ausdruck verleihen sollen: Das Erdgeschoss des Neubaus ist für Vorstand und Präsidium gedacht, das Obergeschoss für die Parteiorganisation, die Jugendarbeit und internationale Beziehungen.

In seinem neuen Büro verliest Bundeskanzler Willy Brandt am Eröffnungstag des Erich-Ollenhauer-Hauses am 3. Oktober 1975 eine Rede.

Benannt wird das Gebäude nach Erich Ollenhauer, der die Geschicke der Partei von Kurt Schumachers Tod 1952 bis 1963 leitete. Einer seiner Nachfolger, Gerhard Schröder, schließt im Juli 1999 symbolisch die Türen. Das Plakat, das er den Bonnern hinterlässt, zeigt ein Fontane-Zitat und ein Lebkuchenherz. Das Zitat lautet: „Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen“, auf dem Lebkuchenherz steht: „Tschö Bonn.“ Typisch Schröder, wird manch einer da gedacht haben.
Denn Schröder ist enorm populär, seit er am 27. September 1998 auf der Wahlparty der Bonner Parteizentrale in die Sprechchöre sagt: „Dies ist das Ende einer Epoche“. Er meint das Ende der Ära Kohl, dessen Anhänger einige hundert Meter weiter südlich, im Konrad-Adenauer-Haus den Schock zu verarbeiten suchen. Doch kurz nach der rauschhaften Szene endet auch die Bonner Ära der SPD. Im Juli 1999 zieht der Parteivorstand ins neue, 1996 eröffnete Willy-Brandt-Haus in Berlin. Das große rote Parteilogo des Gebäudes wandert in die Sammlung des Hauses der Geschichte.

Wussten Sie schon ...

… dass Bauarbeiter der CDU-Zentrale bei der Fertigstellung des Rohbaus 1970 ein Plakat „Bei uns SPD“ aufhängen? Sie sind darüber erzürnt, dass es statt eines Richtfestes zwanzig Mark auf die Hand gibt und besorgen sich die Plakate in den „Baracken“.