Die spätklassizistische Villa wird in den 1860er Jahren nach einem Entwurf des Architekten August Dieckhoff erbaut, 2011.
Im Erdgeschoss der Villa Hammerschmidt befinden sich die Repräsentationsräume, darunter auch der Speisesaal, 2005.

Villa Hammerschmidt

Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten
seit 1950

Die Villa Hammerschmidt dient dem Bundespräsidenten von 1950 bis 1994 als Wohn- und Amtssitz. Seit dem Umzug nach Berlin wird das Gebäude als Bonner Amtssitz des Staatsoberhauptes genutzt.

Nach vorheriger Anmeldung können Sie die Villa Hammerschmidt besichtigen.

Zu den Besucherinformationen

Als Bundeskanzler Konrad Adenauer 1951 einen Mercedes 300 als Dienstwagen bestellt, sieht das Protokoll eigentlich die „0-003“ als Kennzeichen vor. Doch der „alte Fuchs“ schafft es, dem Bundestagspräsidenten die „0-002“ zu entwinden. Aber die „0-001“: das wagt er dann doch nicht. Erster Mann im Staat ist nicht der Bundeskanzler – sondern der Bundespräsident. Seine Aufgaben sind nach den schlechten Erfahrungen mit dem Reichspräsidenten der Weimarer Republik vor allem repräsentativer Natur.

Schwarzweiß-Fotografie, eine Gruppe von Männern in Anzügen steht auf den Stufen eines weißen Gebäudes.
Das erste Kabinett Willy Brandts kommt zur Vereidigung bei Bundespräsident Gustav Heinemann in der Villa Hammerschmidt zusammen, 22. Oktober 1969.

Umso passender, dass der Bundespräsident 1950 in eines der schönsten Gebäude einzieht, das es in Bonn am Rhein gibt: die 1861 von einem Kaufmann gebaute Villa Hammerschmidt.
Was aber anfangen mit diesem Amt? Bis jetzt, erklärt Theodor Heuss, als ihn die Bundesversammlung am 12. September 1949 zum ersten Präsidenten der Bundesrepublik wählt, sei es „ein Paragraphengespinst“ gewesen. Entscheidend sei die Frage, „wie wir, wir alle zusammen, aus diesem Amt etwas wie eine Tradition, etwas wie eine Kraft schaffen, die Maß und Gewicht besitzt und im politischen Kräftespiel sich selbst darstellen will.“

Schwarzweiß-Fotografie, weißes Gebäude, davor eine Parkanlage.
Bei der Umgestaltung der Villa Hammerschmidt werden die beiden Turmaufbauten beseitigt, 1949.

Diese Frage hat seit 1949 alle Bundespräsidenten bewegt, ob die Bundesversammlung sie nun in West-Berlin wählt oder in der Bonner Beethovenhalle wie zwischen 1974 und 1989 – ob Bonn ihnen als erster Amtssitz gilt wie den Präsidenten Heinrich Lübke, Gustav Heinemann, Walter Scheel, Karl Carstens und Richard von Weizsäcker oder als zweiter Amtssitz, wie dies für die Bundespräsidenten seit 1994 der Fall ist.

Der vielseitige Gelehrte Theodor Heuss, der vor 1933 Reichstagsabgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei und 1948 Mitglied des Parlamentarischen Rats ist, versucht seinem Amt zwischen 1949 und 1959 eine Art „zwangloser Würde“ (Joachim Radkau) zu verleihen. Er will vorleben, was Demokratie bedeutet, wirbt im Ausland um Vertrauen in Deutschland, redet gegen die Verklärung der Vergangenheit an. Bereits 1949 spricht er von einer „Kollektivscham“ der Deutschen: „Das scheußliche Unrecht, das sich am jüdischen Volk vollzogen hat, muß zur Sprache gebracht werden.“

Auf diese Weise prägt er das Amt. Sein Biograf Peter Merseburger schreibt: „Heuss wurde zur moralischen Instanz, gab dem neuen Staat Konturen und ein geistiges Gesicht. Er trat ein Amt an, das über keinerlei Tradition verfügte, aber durch sein Amtsverständnis und seine präsidiale Praxis vermochte er eine Tradition zu schaffen, an die sich seine Nachfolger gebunden fühlen.“  Ein Bürger als Präsident, „ein Präsident zum Anfassen“ gar.

Die Villa Hammerschmidt am Rheinufer lässt Heuss erst einmal „vom Zuckerguss“ befreien, den beiden Turmaufbauten, bevor er 1950 von seinem vorübergehenden Quartier, einem früheren Erholungsheim der Reichsbahn auf der Godesberger Viktorshöhe, in die Nachbarschaft von Bundeskanzleramt und Bundestag zieht.
Dort residiert „Papa Heuss“ bis 1959 – nur wenige hundert Meter von Bundeskanzler Konrad Adenauer entfernt. Gelegentlich verabreden sich die beiden markanten Köpfe der frühen Bundesrepublik sogar zum Gedankenaustausch unter vier Augen.

stilvoller Raum mit Schreibtisch aus dunklem Holz, einem Teppich und einer Kommode mit Blick auf ein großes Fenster
In der Villa Hammerschmidt können die Besucherinnen und Besucher neben den Repräsentationsräumen auch das Arbeitszimmer von Bundespräsident Roman Herzog besichtigen, 1996.
heller stilvoller Raum mit großem Orient-Teppich, darauf Sitzmobiliar im französichen Stil aus dem 19. Jahrhundert und ein Kronleuchter von der Decke hängend
Das Mobiliar im oberen Balkonzimmer zur Rheinseite ist im Stile des französischen Empires von 1830 und stammt aus Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel, 2011.

Die Geschichte der Bundespräsidenten in Bonn aber reicht über Heuss weit hinaus. Die Villa Hammerschmidt, die nach dem Baumwoll-Fabrikanten Rudolf Hammerschmidt benannt ist, der von 1900 bis 1929 in ihr lebt, ist bis zur Amtszeit des sechsten Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker Wohn- und Amtssitz der deutschen Staatsoberhäupter. Die Allgemeinheit verbindet sie vor allem mit großen Namen auf Deutschlandbesuch: So wird hier beispielsweise 1955 der Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlevi, empfangen oder 1987 der britische Thronfolger Prinz Charles und Prinzessin Diana. Aber auch Bürgerinnen und Bürger finden Einlass – zum Beispiel bei den Neujahrsempfängen, eine von Gustav Heinemann (1969–1974) gestiftete Tradition.

Der Reporter Hans Jesse berichtet über den Neujahrsempfang bei Bundespräsident Theodor Heuss in der Villa Hammerschmidt, 7. Januar 1953.

Im Januar 1994, Richard von Weizsäcker ist noch im Amt, zieht der Bundespräsident als erstes Verfassungsorgan nach Berlin. Seither ist die Villa Hammerschmidt zweiter Dienstsitz der Präsidenten. Die Büros des Bundespräsidialamts am Rande des Geländes beherbergen seit 1999 das aus Berlin nach Bonn gezogene Bundeskartellamt.

Wussten Sie schon ...

… dass die Vorfahrt zur Villa Hammerschmidt erst 1976 vergrößert wurde? „Das Zeremoniell, das bei Staatsbesuchen sonst auf dem Flughafen Köln/Bonn abgespult wird“, hieß es im „General-Anzeiger“, „kann jetzt auch ohne Schwierigkeiten vor dem Präsidentensitz ablaufen […] Bisher mußten Ehrenkompanie und Stabsmusikkorps auf einem abschüssigen Rasenplatz Aufstellung nehmen, was weder der Präzision des Präsentiergriffes noch der Klang-Qualität der Nationalhymne förderlich war.“