Von 1955 bis 1999 ist die Villa Dahm in der Dahlmannstraße Sitz der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, 1999.

Dahlmannstraße

Die erste Pressemeile der Bundesrepublik

Die Dahlmannstraße steht für die Nähe von Medien und Politik in Bonn. Hier befinden sich zu Regierungszeiten viele Korrespondentenbüros deutscher Zeitungen und das Fernsehstudio des WDR. Heute gehören große Teile des Geländes zum World Conference Center Bonn.

Zu den wenigen Neubauten, die bei der provisorischen Einrichtung Bonns 1949 für zwingend notwendig erachtet werden, zählen die im Fertighaus-Stil errichteten Pressebaracken an der Görres- und der Dahlmannstraße. Sie werden in Windeseile gebaut und sollen laut Baufirma fünfzehn Jahre halten. Die Räumlichkeiten sind schlicht, aber die Aufbruchsstimmung sorgt für eine Atmosphäre der ganz eigenen Art.

Schwarzweiß-Fotografie des ehemaligen Bonner Studios des WDR an der Dahlmannstraße, ein schlichter, dreigeschossiger Flachdachbau mit kleinen Fenstern, davor ein Baum
In diesem Gebäude ist bis zum Abriss das Studio Bonn des WDR untergebracht, 1999.

Als Informationsbörse dienen der Pressetisch im Bundeshaus, ein „heruntergekommenes Gehöft, wo sich rasch ein Ausschank auftat“, oder der 1957 eröffnete Kiosk gegenüber vom Bundesrat. Die Wege sind kurz, man begegnet sich ständig. Wer zu den Auserlesenen gehört, darf im Palais Schaumburg oder gar im Teehäuschen bei Adenauers „Teegesprächen“, Hintergrundrunden mit der Presse, mit von der Partie sein.

Später reiht sich im weiteren Verlauf der Dahlmannstraße ein Parlamentsbüro deutscher Medienvertreter an das nächste, darunter das Spiegel-Büro an der Dahlmannstraße 20 und das Studio des WDR, das 1960 in einen schmucklosen Klinkerbau an der Dahlmannstraße 14 zieht. Beide bleiben, als ein Teil des journalistischen Trosses in das neue Pressehaus am Tulpenfeld umzieht.

Friedrich Nowottny moderiert 1.000 Sendungen des wöchentlichen Politik-Magazins „Bericht aus Bonn“, 1977. Im Tonbeitrag hören Sie den Jingle der Sendung.

Die Bedeutung des Fernsehens nimmt immer mehr zu. Journalisten wie Ernst Dieter Lueg und Friedrich Nowottny werden mit der seit 1963 regelmäßig ausgestrahlten Sendung „Bericht aus Bonn“ zu Ikonen des Bonner Medien-Betriebs.

Gerd Ruge, WDR-Studioleiter von 1970 bis 1972, erlebt hier eine „ungewohnte Nähe zu den Politikern, die in Washington oder Moskau unerreichbar schien. Minister und Abgeordnete kamen auf einen Drink oder auf einen Teller Suppe vorbei, wenn sich die Gespräche manchmal bis in die frühen Morgenstunden hinzogen.“

Es ist beides gleichzeitig: ein nachbarschaftliches Vertrauens- und Spannungsverhältnis. Davon ist heute bis auf das Eckhaus, in dem sich einst das Bonner Büro des Spiegel befindet, nichts mehr sichtbar. Dort, wo der WDR sich befand, steht heute ein Parkhaus. Die Adressen sind nach der Umbenennung der Görresstraße in „Platz der Vereinten Nationen“ und eines Teils der Dahlmannstraße in „Carl-Carstens-Straße“ nicht mehr nachzuvollziehen. Und abends treten keine Abgeordneten und Pressevertreter mehr vor der gastfreundlichen Landesvertretungen Niedersachsens (später Sachsen-Anhalts) und Nordrhein-Westfalens beschwingt auf die Straße.

Blick auf die ehemalige Dahlmannstraße, links einige Bäume am Gehweg, rechts das World Conference Center Bonn.
Heute gehören große Teile der Dahlmannstraße zum Gelände des World Conference Centers Bonn, 2018.

Selbst die 1867 gebaute „Villa Dahm“, in deren Park zwischen Dahlmannstraße und Görresstraße einst einige der Pressebaracken standen, muss für das World Conference Center Bonn weichen. Dabei schreibt auch diese Doppelvilla, in der zunächst unter anderem die Deutsche Presse-Agentur sitzt, mit an den informellen Kapiteln der bundesdeutschen Geschichte. Von 1955 bis 1999 ist sie Sitz der „Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft“. Die Gesellschaft will ein Rückzugsort nach britischem Vorbild sein, eine interfraktionelle und menschliche Begegnungsstätte, die den Rückfall der Parlamentarier in die unversöhnlichen Parteikämpfe der Weimarer Jahre vermeiden, persönliche Verletzungen heilen und Verständnis finden hilft.

Wussten Sie schon …

… dass das akustische Erkennungszeichen der Sendung „Bericht aus Bonn“ von Paul Kuhn stammt?